Presseerklärung zu den Ereignissen am 6.4.2006

Im Auftrag der Stadt Karlsruhe:

WOHNRAUM ZERSTÖRT.
KULTURRAUM ZERSTÖRT.
EX-STEFFI GERÄUMT.


Heute in den frühen Morgenstunden wurde das selbstverwaltete Wohn- und Kulturprojekt Ex-Steffi hinterm Karlsruher Bahnhof von mehreren Hundertschaften der Polizei geräumt. Dabei kamen neben einem vermummten Sondereinsatzkommando Wasserwerfer und Räumpanzer zum Einsatz, das THW und die Feuerwehr standen ihnen bei der Räumung unterstützend zur Seite.

Dieses brachiale Vorgehen wirkte umso überraschender, als noch am Dienstag, also vor zwei Tagen, der zuständige Gerichtsvollzieher verlautbart hatte, die Räumung so lange auszusetzen, wie er über die Fortschritte bezüglich des angestrebten Ersatzdomizils für die Ex-Steffi informiert werde.

In diesem Zuge wurde die Initiative Kussmaulstraße vorgestellt, an der sich die Ex-Steffi beteiligt. Die Initiative Kussmaulstraße hat konkrete Absichten, ein großflächiges Gelände, auf dem sich zwei Gebäude befinden, zu kaufen.
Allerdings hängt die Realisierung dieses Projektes allein von dem von der Stadt in die Wege geleiteten Bebauungsplan ab, der keine kulturelle Nutzung vorsieht. Würde die Stadtverwaltung guten Willen zeigen und planungsrechtliche Probleme für das Gelände des neuen Projekts beiseite räumen, stünde einem absehbaren Umzug fast nichts mehr im Wege.

Im Verlauf der Räumung wurden über zwanzig Personen festgenommen, teilweise wurden sie von der Polizei herausgetragen. Über Verletzte liegen derzeit keine Informationen vor. Von Seiten der BesetzerInnen ging keine Gewalt aus.

Als eines der letzten selbstverwalteten Wohn- und Kulturprojekte Deutschlands diente die Ex-Steffi vielen Menschen als Freiraum abseits des Mainstreams, um sich zu treffen, aktiv zu sein und Ideen zu verwirklichen. Dazu gehörten ebenso unkommerzielle Konzerte und Partys, Vokü, Lesungen und Filmvorführungen, wie auch eine Druckwerkstatt, Proberäume, ein Infoladen, ein Umsonstladen und ein Café.

Schon seit Jahren will die Stadt das Gebäude räumen lassen, obwohl sich immer noch kein Investor für das Gelände hinterm Hauptbahnhof gefunden hat. Trotz des Versprechens, bei der Suche nach einem geeigneten Ersatzobjekt behilflich zu sein, zeigte sich die Stadt Karlsruhe nicht an einer Lösung für die Ex-Steffi interessiert. Alle Vorschläge der BewohnerInnen für einen Ersatz wurden von der Stadt mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt, Gespräche wurden abgebrochen.

Aber wir werden das nicht akzeptieren.
Wir lassen uns unseren Lebensraum nicht nehmen.
In den letzten Jahren wurden allein in Süddeutschland fast alle selbstverwaltete Projekte zerstört - das autonome Zentrum in Heidelberg, das selbstverwaltete Jugendzentrum OBW9 in Stuttgart, die Wagenburg Schattenparker in Freiburg. Aber es hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, zu kämpfen.
Wir machen weiter, ob mit Haus oder ohne. Wir lassen uns nicht unterkriegen!
Wir kämpfen für unsere Freiräume, egal ob Häuser oder Wagenplätze. Für selbstbestimmtes Leben!

Ex-Steffi ist überall. Immer.

www.exsteffi.de